Vier neue Stationen der Erinnerung in der Inneren Stadt

 

Eine Gruppe von Interessierten und Angehörigen fand sich am 4.6.2013 in der Zelinkagasse 10 ein, um gemeinsam vier neue Stationen der Erinnerung zu eröffnen. Zunächst sprach Elisabeth Ben David-Hindler über die Ziele und Aufgaben des Vereins und begrüßte die Angehörigen Alfred Posamentier aus New York und Vivianne Walther-Kohn aus der Schweiz, sowie Valeria Kohn aus Brasilien.

Alfred Posamentier

Danach sprach Alfred Posamentier, der mit der Station seinen Großeltern Heinrich und Ernestine Posamentier gedenkt. Er selbst weiß wenig über sie. Eine Kusine, die mit 11 Jahren im Kindertransport war, erzählte ihm einige Details des Lebens. Beispielsweise, dass die Familie immer Urlaub in Puchberg am Schneeberg machte. Nach dem Anschluss war die Familie gezwungen die Wohnung in der Zelinkagasse zu verlassen und zu den Schwiegereltern zu ziehen. Von dort wurden sie nach Minsk deportiert und ermordet.

Für Alfred Posamentier ist die Station ein Grabstein. Er dankte dem Verein für die wertvolle Arbeit. Elisabeth Ben David-Hindler las im Anschluss einen Text von Eva Bregman vor, die in New York lebt und nicht anreisen konnte. Die Station in der Börsegasse 10 für ihren Großonkel Alfred Stutz wurde nicht begangen.

Elisabeth B.D. Hindler

Gemeinsam ging die Gruppe zur dritten Station in der Judengasse 5. Diese Station gedenkt der Verwandten von Frankie Blei, Wilhelm und Sidonie Beermann, sowie Johanna Windholz und Malvine Fried. . Auch ein sehr berührendes Gebet zum Andenken wurde vorgelesen.

Frau Ben David-Hindler erzählte, dass diese Station zum Teil von der Internetplattform Respekt.net finanziert wurde. Diese und eine zweite Station wurden außerdem vom Verein der staatlich geprüften Fremdenführer unterstützt. Einer der Fremdenführer Walter Juraschek erzählte, dass einer der diesjährigen Schwerpunkte des Vereins die jüdischen Palais auf der Ringstraße waren, die den Besitzern geraubt wurden.

Vivianne Walther-Kohn

Das Trio Margaritkes hatte einen berührenden musikalischen Auftritt mit drei Liedern. Besonders überraschend war die Anteilnahme der Bevölkerung, die sehr zahlreich zur Eröffnung erschienen war und gemeinsam mit den Angehörigen die vier Stationen besuchte. Frau Kohn bedankte sich bei allen Leuten, die gekommen waren und machte darauf aufmerksam, dass es auch heute viele verfolgte und unterdrückte Minderheiten gibt und dass man seine Augen nicht vor diesen Tatsachen verschließen soll.