Eröffnung von vier Stationen der Erinnerung in der Inneren Stadt – 2.07.2011

 

Als erste Station, die gleichzeitig Treffpunkt für die Begehung war, wurde in der Werdertorgasse 17 eine Wandtafel für Mathilde und Leopold Feldstein eröffnet. Die Reden wurden durchwegs auf Englisch gehalten, da die Enkel Herr und Frau Fenton aus Schottland angereist waren.

Frau Maria Graff, Vorsitzende der Kulturkommission Innere Stadt dankte der Initiative des Vereins Steine der Erinnerung und erinnerte daran, dass man im Ersten Bezirk täglich mit der jüdischen Vergangenheit konfrontiert ist. Besonders freute sie, dass die Tafel ausnahmsweise am Haus angebracht ist, was nur in seltenen Fällen möglich ist.

Liesl Ben David-Hindler erzählte über die Entwicklung des Projekts. „It came to us by chance“. Es ist ein Wiener Projekt, das tief durch die Mitarbeit vieler verschiedener Menschen geprägt ist. Beispielsweise übernahm der Verein der geprüften Wiener Fremdenführer für 3 Steine eine Patenschaft (Werdertorgasse 15). Der Verein versucht einen Beitrag zur Heilung der Wunden beizutragen.

Herr Richard Fenton begann seine Rede mit der Niederlegung eines Blumenstraußes neben der Wandtafel und den Worten „welcome home grandparents“. Vor 70 Jahren wurden die Großeltern gezwungen das Haus zu verlassen. Er selbst versteht heute, da er selbst ein Großvater ist, besser, was es heißt ein Großvater zu sein. Er hofft, dass seine Großeltern glücklich über das wären, was er in seinem Leben gemacht hat. Dann dankte er den Anwesenden für ihr Kommen.

Ein Haus weiter auf Nummer 15 wurde der nächste Stein für Julia Sprecher eröffnet. Gertrude Quast, die viel über Julia Sprecher recherchiert hat und auch ein Buch über sie veröffentlichen wird, las einen Text über ihr Leben und einen Brief an die Frau ihres Neffen aus dem Jahr 1940 vor.

Die Patenschaft für Margarete, Walter Josef und Anneliese Klara Weiss, aus deren Familie niemand überlebte, wurde vom Verein der geprüften Wiener Fremdenführer übernommen.
Die Präsidentin des Vereins Bibiane Krapfenbauer hielt eine Rede. Der Verein sei sich seines Bildungsauftrags bewusst und seiner meinungsbildenden Rolle. „Es gibt keine Worte, trotzdem sind wir täglich damit konfrontiert“, sagt Frau Krapfenbauer zum Umgang mit dem Thema Holocaust. Es ist ein Thema, das bei fast jeder Führung miteinbezogen wird, denn selbst bei einer einfachen Ringrundfahrt kommt man am Morzinplatz vorbei, wo das Gestapohauptquartier war.

Walter Juraschek, der auch die Führungen für den Verein Steine der Erinnerung macht, ist sehr engagiert dieses Thema den FremdenführerInnen nahe zu bringen. Insgesamt haben die Vereinsmitglieder viele Führungen umsonst gemacht, um die 3 Steine zu finanzieren.

Foto: Josef Polleross

Die nächste Station wurde in der Wipplingerstraße 13 für Broncia, Leon und Alexander Nagler eröffnet. Die Enkelin von Leon und Broncia Nagler Brigitte Landesmann sprach über ihre Familie. Auch ihr Vater Moritz Nagler war anwesend. Sie erzählte, dass sie beide Namen der Großeltern trägt, da sie Brigitte (Broncia), Leonore (Leon) Landesmann heißt. Sie sagte, dass sie es besonders freue, dass ihre Großeltern und ihr Onkel durch den Stein der Anonymität entrissen sind. Sie weiß nicht viel über das Leben ihrer Großeltern.

Liesl Ben David-Hindler sprach dann kurz mit Moritz Nagler. Dieser erzählte, dass sein Bruder mit nach Südfrankreich emigrierte und dort heiratete. Beide wurden nach Auschwitz deportiert, seiner Frau war schwanger. Er selbst wurde als jüngster von vier Brüdern von allen verwöhnt. Im Krieg war er in einem Lager in Transnistrien (Moldawien). Ohne seine Frau hätte er nicht überlebt. Als sie nach dem Krieg zurückgekehrt sind, ist der Opernsänger, der damals in seiner Wohnung gewohnt hat, ausgezogen.

Als letzte Station wurde ein Stein am Petersplatz 3 für Friederike (Mutter) und Arpad (Sohn) Grünwald eröffnet, der vom Hausbewohner Christian Burger initiiert wurde.

Foto: Josef Polleross

Christian Burger erzählte über seine persönliche Motivation den Stein zu setzen. Vor seinem Haus wurden im Rahmen von Letter to the Stars weiße Rosen niedergelegt. Das hat ihm zu Bewusstsein gebracht, darüber nachzudenken wer in seiner Wohnung gelebt hat. Er lebt heute in der Wohnung, wo auch Friederike und Arpad Grünwald gelebt haben. Leider ist der Versuch den Sohn von Arpad ausfindig zu machen gescheitert. Besonders aufgefallen ist ihm, dass viele Menschen stehen bleiben, um den Stein zu betrachten. Er lud zum Ende der Veranstaltung in seine Wohnung zu Erfrischungen ein.