Enthüllung einer Wandtafel in Rudolfsheim-Fünfhaus

 

In der Herklotzgasse 21 wurde am 11.10.2010 eine Wandtafel für Familie Fuchs eingeweiht, die eigens aus Australien anreiste. Die Veranstaltung war von der Initiative Herklotzgasse 21 mit organisiert worden, die das Gedenkprojekt „Das Dreieck meiner Kindheit“ in diesem Haus gestaltet hat.

Im Innenhof des Hauses fanden die Reden statt, die durchwegs auf Englisch gehalten wurden. Judith Pühringer sprach als Vertreterin der Initiative einige Worte über die sich im Haus befindliche Ausstellung und die Interviews mit ehemaligen HausbewohnerInnen.

Bezirksvorsteher Gerhard Zatlokal begrüßte die Familie und sprach auch über seine eigene Geschichte. In seiner Schulzeit war über den Nationalsozialismus und das jüdische Leben des Bezirks nicht gelehrt worden. Er erzählte über das interreligiöse Leben im Bezirk und nahm auch Bezug auf aktuelle politische Ereignisse. Schließlich sprach er über die Verantwortung von PolitikerInnen, sicherzustellen, dass eine Verfolgung wie in der Shoah nie wieder passiert. Er sprach seine Hoffnung aus, „dass es heute ein Wien gibt, in dem jeder willkommen ist.“ Im nächsten Jahr ist im Bezirk eine Gedenktafel für die Synagoge in der Turnergasse geplant. Auch seine Stellvertreterin Dr. Jennifer Kickert war anwesend.

Liesl Ben David-Hindler begrüßte im speziellen die Familienmitglieder Alfred, Ben, Kurt und Karen. In ihrer Rede sprach sie über die kulturelle und Gedenkseite der Arbeit des Vereins, sowie deren symbolischen Aspekt: „they seem modest, but they have a symbolic power“.

Sie erzählte, dass der 15. Bezirk der neunte Bezirk ist, in dem der Verein arbeitet. Es gibt bisher für 720 Menschen Gedenksteine. Die Mitarbeit vieler Menschen ermöglicht das. Dank ging an Margit Wolfsberger, die über die jüdische Auswanderung nach Neuseeland schreibt, sowie an Michael Kofler und seinem Team der Initiative Herklotzgasse und Ben Weiss, einem sehr engagierten Familienmitglied. „I share your emotions.“

Ben Weiss sprach als Vertreter der Familie. Er erzählte, dass ihm die Idee kam, als er im 6. Bezirk einen Gedenkstein für einen ermordeten Mann mit dem Namen Fuchs sah.

Für seinen Großvater Kurt war es sehr schwer nach 71 Jahren Wien zurückzukehren, doch er traf hier seinen Neffen, den er 65 Jahr nicht gesehen hatte. Er bedankte sich überschwänglich bei Liesl Ben David-Hindler und versprach zum Dank, alle Steine einmal zu putzen. Im Anschluss sprach die Familie vor der Wandtafel den Kaddisch für die ermordeten Verwandten.

Die Initiative Herklotzgasse 21 lud dann zur Besichtigung der beeindruckenden Ausstellung und zu Kaffee ein. Die Eröffnung fand so ihren stimmungsvollen Ausklang.