Steine der Erinnerung in Ottakring

 

1910 hatte die IKG Wien 175 318 Mitglieder; 2,6 Prozent (4558 Personen) lebten in Ottakring. (Im Vergleich zu 32,4 Prozent in der Leopoldstadt und 0,3 Prozent in Simmering, den Bezirken mit dem höchsten bzw. dem geringsten jüdischen Bevölkerungsanteil.)

Das organisatorische und institutionelle Zentrum der Juden in Ottakring war der Tempel in der Hubergasse 8. Er wurde 1885/1886 von der damaligen Israelitischen Vorortegemeinde Ottakring errichtet. Sein Architekt war Ludwig Tischler. Er war dreischiffig, umfasste 406 Männer- und 266 Frauensitze, war von der Strasse aus sichtbar und wegen der Tafeln der 10 Gebote deutlich als jüdischer Kultbau erkennbar. Ab 1890 stand der Tempel unter der Verwaltung der IKG Wien. 1928 folgte der Anbau eines Wintertempels durch Ignaz Reiser.

Von 1898 bis 1938, also vierzig Jahre lang, war Julius Max Bach (als Nachfolger von Moritz Deutsch) Rabbiner des Hubertempels. Bach wurde 1872 in Wien geboren und studierte am orthodoxen Berliner Rabbinerseminar, an der Berliner Universität und an der Wiener Israelitisch theologischen Lehranstalt. 1938 flüchtete er nach New York, wo er ebenfalls als Rabbiner arbeitete und 1946 starb.

Oberkantoren des Hubertempels waren Mosche Dow Kaufmann und Rudolf Kogan. Das Nebengebäude des Tempels in der Hubergasse 8 war auch der Sitz folgender jüdischer Bezirksvereine für den sechzehnten und den siebzehnten Bezirk: Der “Israelitische Frauen Wohltätigkeitsverein”, die “Chewra Kadischa”, der “Ausspeisungsverein für Schulkinder und für alte, erwerbsunfähige Männer und Frauen”, der “Jüdische Kultur- und Tempelbau-Verein in Wien Ottakring-Hernals” und der “Verein der Kinderfreunde zur Bekleidung armer israelitischer Schulkinder”.

In der Lindauergasse 5 gab es das Bethaus “Ahawath Scholaum”. Sein Rabbiner war Markus Leib Habermann. Ebenfalls in der Lindauergasse 5 hatte der “Wohltätigkeits-Kranken-Unterstützungsverein Friedenliebende” seinen Sitz.

In der Neulerchenfeldergasse 64 befand sich das Bethaus “Scheweth Achim”.

In der Grundsteingasse gab es das koschere Restaurant Merlin.

Die Zionistische Bezirkssektion für den sechzehnten und siebzehnten Bezirk befand sich in der Frauengasse 9 in Wien-Hernals.

Text: Evelyn Adunka