Eröffnung des 3. Teils des Weges der Erinnerung durch die Leopoldstadt am 18. Mai 2008

 

Auf dem neuen Heineplatzl, das, so Bezirksvorsteher Gerhard Kubik, durch unsere Eröffnung eingeweiht wurde, gab es eine sehr bewegende Eröffnung des 3. Teils des Weges. Sehr viele Stationen waren auf Wunsch von Angehörigen für ihre Lieben gesetzt worden, von denen eine große Zahl bei der Eröffnung anwesend war:
Besucher  waren eigens aus Kanada, den USA, England und  Holland angereist. Kulturstadtrat Andreas Mailath-Pokorny und Bezirksvorsteher Gerhard Kubik würdigten dieses Ereignis. Die Gruppe Maniak umrahmte die Veranstaltung mit wunderschöner Musik.

Martin Vogel, der als wie kein anderer die Geschichte der Jugendorganisation Haschomer Hazair kennt, erzählte, dass die Kinder – viele von ihnen sind verschleppt und ermordet worden – in ihrem Heim Zuflucht fanden und ein wenig Kind sein durften. Herr Vogel war der letzte Leiter (Madrich) des Haschomer.

Im Vordergrund in der Mitte des Bildes Frau Hilda Stöhr, die zu diesem für sie so wichtigen Ereignis im Alter von 94 aus Kanada angereist ist. Sie hat mit ihren Eltern in der Ybbsstraße 5 gewohnt. Ihre Tochter Valerie Schirmaier – links von ihr – hielt eine Rede. Die Steine der Erinnerung vor dem Haus ihrer Großeltern sind ein wichtiger Baustein in der Familiengeschichte und sie bedankte sich bei allen, die dazu beigetragen haben.

Maria Haas sprach von der großen Lücke in ihrer Familiengeschichte und  wie schwierig es gewesen war, das Schicksal ihrer Großeltern in Erfahrung zu bringen.  Wolfgang Punz erzählte die Lebensgeschichte  seines Großvaters Dr. Siegfried Lateiner, dessen Name mit seiner Ermordung aus Mitteleuropa verschwunden ist.

Die anschließende Begehung der neuen Stationen war besonders berührend, da die Angehörigen bei „ihren“ Stationen über ihre Lieben und ihr Schicksal erzählten.

Herr Otto Hutter zeigt mit seinem Stock an die Stelle, wo die Fenster seines ehemaligen Wohnhauses lagen, aus denen er das Werbeplakat von Persil an der Seitenwand des gegenüberliegenden Hauses mit großem Interesse betrachtete. Später gab es Furchterregendes zu sehen, wenn die Slogans, die die Nazis bei ihren Fackelmärschen brüllten, auch durch die geschlossenen Fenster drangen.

Herr Hutter war mit seinen Kindern und Enkelkindern nach Wien gekommen, die durch diesen Besuch ein Kapitel der Familiengeschichte kennen und verstehen lernten.

Dass die Pfarrgemeinde der Kirche St. Johann Nepomuk und ihr Pfarrer Konstantin Spiegelfeld zwei Steine der Erinnerung vor die Kirche hat setzen lassen, war für alle besonders bemerkenswert. Pfarrer Konstantin Spiegelfeld erzählte, dass er in zwei Messen über die Steine der Erinnerung und ihre Bedeutung gesprochen hat.  Es seien danach Menschen zu ihm gekommen, deren Vorfahren aus jüdischen Familien stammten.

Zum Text eines der beiden Steine „In Verantwortung für die Geschichte gedenken wir der jüdischen Bevölkerung“ sagte er: Natürlich haben die Nachgeborenen keine Verantwortung für die schreckliche Zeit, aber sie haben die Verantwortung, darüber zu reden. Die Steine der Erinnerung sind auch auf der Homepage der Pfarre zu finden.

www.pfarre-nepomuk.at