Feierliche Eröffnung neuer Stationen auf dem Weg der Erinnerung durch die Leopoldstadt

 

Am 17.10.2010 fand in der Gebietsbetreuung Leopoldstadt die Eröffnung der neuen Stationen im Bezirk statt. Peter Mlczoch moderierte das vielfältige Programm, das durch die MusikerInnen Hannes Guschelbauer (Klarinette), Janina Schedy (Akkordeon) und Daliah Hindler (Gesang) ergänzt wurde.

Bezirksrat Kresimir Mladensich sprach in seiner Rede in erster Linie über die historischen Gräuel während und vor dem Nationalsozialismus. Er erwähnte die Judenhetze schon in den 30er Jahren und die Zerstörung von 42 Synagogen in der sogenannten „Reichskristallnacht“. Zuletzt dankte er dem Verein und forderte ihn auf weiterzukämpfen. Elisabeth Ben David-Hindler erläuterte die Eckpfeiler der Vereinsarbeit. Besonders strich sie im zweiten Bezirk die Hilfe der Gebietsbetreuung hervor und die fruchtbare Zusammenarbeit mit einer katholischen und einer evangelischen Pfarre. Sie selbst schöpft ihre Kraft aus ihrer Überzeugung, dass unsere Vorfahren „hinter uns stehen und sie wollen, dass wir glücklich sind.“

Dann stellte sie die neuen Stationen in einer Powerpoint-Präsentation vor. Die Stationen liegen im Stuwerviertel, das vor allem von jüdischen BewohnerInnen der Arbeiterklasse besiedelt war. Sie las einen Brief von Maja Thomas vor, die in Schweden lebt, jedoch nicht persönlich kommen konnte. Sie selbst weiß beinahe nichts über ihre Großeltern, an die der Brief gerichtet war.

Am Praterstern wurden zwei Steine zum Gedenken an diejenigen jüdischen Menschen gesetzt, die die Straßen mit ätzenden Laugen waschen mussten. Er befindet sich vor dem Denkmal für Admiral Tegetthoff.

Danach wurde ein Text vorgelesen, der von den Angehörigen, Frau Margarethe Freunthaller und ihrem Bruder Wilhelm Wolf für ihre Großmutter Marie Steiniger und ihre Tante Helene Wolf verfasst worden war. Auch die wenigen erhaltenen Fotos konnte man sehen.

Für die Familie Adler in der Ybbsstraße 28 sprach Herr Lutz. Er war Zeitzeuge und hatte die Familie gekannt. Die Setzung des Steins war ein Geschenk seiner Tochter. Er erzählte über Dr, Adler und über das Schicksal seiner Familie. Sein Bruder wurde als Kommunist von der Gestapo verhaftet und konnte dem Todesurteil nur deshalb entgehen, weil er erst 17 Jahre alt war.

Agnes Lacher sprach über das Schicksal der jüdischen Menschen in ihrem Wohnhaus in der Ybbsstraße 6, über das sie ausgiebig recherchiert hat. 1938 gab es dort 17 jüdische Familien, was ca. die Hälfte der Mieter ausmachte. 17 junge Menschen wurden vertrieben, 20 wurden Opfer des Holocaust. Traurigerweise ließ sich auch die IKG in manchen Fällen zum Handlanger machen. Die finanziellen Mittel der IKG waren knapp und so unterstützte sie eher die jüngeren Menschen, die Eltern konnten in den meisten Fällen nicht nachgeholt werden.

Ernst Löschner hat einen Stein für den Widerstandskämpfer initiiert, der im Wiener Landesgericht enthauptet wurde. Er hatte als Zahnarzt gearbeitet und war zusätzlich Kapellmeister. Die Praxis stellte er für geheime Treffen zur Verfügung, die jedoch von Gestapomitgliedern unterwandert wurden. Er bewahrte sich jedoch seinen Lebensmut bis ins Gefängnis. Ernst Löschner las ein Gedicht vor, das er noch dort verfasst hatte und betonte, dass er ihn als Vorbild würdigen wolle.

Im Anschluss fand die Begehung zweier Stationen im strömenden Regen statt. Dennoch nahm eine große Gruppe von Menschen daran teil.

Die Bezirkszeitung berichtete ausführlich über die Veranstaltung.

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