Eröffnung von vier Stationen der Erinnerung in Wieden
Sonntag 25.3.2012

 

Bei strahlendem Wetter versammelten sich Angehörige und eine große Zahl von Interessierten bei der ersten Station in der Seisgasse 18, die für die Familie Römer und deren ermordete Angehörige Gustav und Paula Römer eingeweiht wurde. Die Veranstaltung wurde vom Wiener Jüdischen Chor mit dem Lied „Unser Shtetl brent“ eröffnet.

Zunächst begrüßte Elisabeth Ben David-Hindler alle Angehörigen, im speziellen Ilse Aschner, die Tochter von Paula und Gustav Römer und als Vertreter des 4. Bezirks Bezirksrat Ludwig Dvorak. Fast alle Reden wurden auf Englisch gehalten.

Ludwig Dvorak hielt die erste Rede, in der er betonte, wie wichtig die Gedenkarbeit des Vereins Steine der Erinnerung sei und dass „Häuser Geschichten zu erzählen haben“. Der Verein ermögliche es, dass diese Geschichten erzählt und gehört werden. Er erzählte auch, dass es Vorschläge für neue Straßenbenennungen nach jüdischen Personen im Bezirk gibt. Er sieht es als wichtig an die Erinnerung wachzuhalten und als Auftrag, sich mit der lokalen Geschichte des Holocaust noch näher auseinanderzusetzen.

Vera Schwarz sprach als Urenkelin über das Schicksal von Gustav und Paula Römer.

Sie selbst ist durch Zufall in das Haus ihrer Verwandten gezogen. Es ist ihr sehr wichtig, dass Gustav und Paula Römer jetzt wieder an dem Platz sichtbar sind, an dem sie gewohnt haben.

Peter Layton, Angehöriger der Familie Löwy, die in der zweiten Station in der Graf-Starhemberggasse verewigt ist, sprach danach kurz über seine Dankbarkeit gegenüber dem Verein und darüber, wie bedeutsam dieser Stein für seine Familie ist. Erst durch die Nachforschungen für den Stein wurde die Geschichte ihrer Verwandten erhellt. Auch ein Grabstein der Vorfahrenwurde renoviert. Der jüdische Chor sang zum Abschluss dieser Station das Friedensgebet Oseh Shalom.

Danach wurde die zweite Station in der Graf-Starhemberggasse 27 eröffnet. Vivienne Davis (Enkelin), erzählte über Oskar und Olga Löwy und über die Nachforschungen von Ariel Levy (Enkel), der danach den Kaddisch für die Ermordeten sprach und eine Kerze anzündete. Auch die beiden andern Enkel Peter und George Layton waren mit ihren Gattinnen aus London gekommen.

Bei der dritten Station in der Prinz-Eugenstraße 18 sprach der Urenkel Claudius Stein über Maria von Newlinski.

Er sagte, dass er sich jetzt sehr mit den anderen Familien verbunden fühle. Die Lebensumstände der Urgroßeltern sind sehr unklar. Maria von Newlinski (geb. Beinhacker) heiratete Philipp Michael von Newlinski, der ein Vertrauter Theodor Herzls war. Der Name der Urgroßmutter wurde durch Recherchen im Totenbuch von Theresienstadt gefunden. Dank der Recherchen könne er sich die letzten Lebensjahre jetzt besser vorstellen. Er glaubt auch, dass dieser Stein sehr im Sinne seines Vaters ist.

Elisabeth Ben David-Hindler erzählte ergänzend, dass die Hausverwaltung ihr geschrieben hatte, dass das Haus im Besitz von Graf Schwarzenberg war, der sich sehr für die jüdischen MitbügerInnen einsetzte und den nahen Park für Juden öffnete, als der Zutritt zu Parks schon verboten waren. Die Hausbesitzerin Frau Batthyány, eine Enkelin des Grafen, ergänzte die Ausführungen. Spontan sang der Chor dann noch einmal Oseh Shalom mit Beteiligung der ZuschauerInnen.

Zur letzten Station in der Prinz-Eugenstraße 16 sagte Elisabeth Ben David-Hindler einige Worte, da die Angehörigen, die in Israel und Chile leben, nicht nach Wien kommen konnten. Sie wurde für das Ehepaar Alexander und Lona Sohr gesetzt. Alexander Sohr war ehemals k.u.k. Schneider und Hoflieferant. Zusammen mit seinem Bruder Edmund hatte er ein Geschäft in der Schaufflergasse 2. Dieses Geschäft wurde arisiert. Alexander und Lona Sohr, sein Bruder Edmund und dessen Frau Irma wurden deportiert und ermordet.