Eröffnung einer Station der Erinnerung in Margareten

 

Am 27.4. 2011 fand die feierliche Eröffnung eines Steins der Erinnerung für Siegfried Vogel auf der Wiedner Hauptstraße 112 statt.

Elisabeth Ben David-Hindler sprach über die vielfältige Arbeit des Vereins Steine der Erinnerung und die vielen freiwilligen MitarbeiterInnen, die einen großen Beitrag zur Vereinsarbeit und zur Verankerung des Projekts in der Bevölkerung leisten.

Bezirksvorsteher Ing. Kurt Wimmer sprach über den Verdrängungsprozess der NS-Zeit in Österreich, der nun langsam ein Ende findet und die Steine der Erinnerung als Teil der Aufarbeitung.

Als Bezirksvorsteher habe er „schöne und notwendige Aufgaben“. Die Unterstützung des Projekts sei eine Notwendigkeit und er dankte dem Verein, dass er auf ihn zugekommen sei. Er erzählte, dass der 5. Bezirk für das Passamt in der Wehrgasse bekannt war, wo die „Quälerei jener, die auswandern wollten“, stattfand.

Er schlug auch eine Brücke zu heutigen Rassismen und meinte es gehe nicht an, dass Menschen auf Grund ihrer sexuellen Neigung, Religion oder Hautfarbe stigmatisiert werden.

Martin Vogel sprach als Angehöriger. Sein Vater war der Bruder von Siegfried Vogel, genannt „Schigo“. Die beiden Brüder hatten eine enge Bindung. Siegfried Vogel kam oft zu ihnen zu Besuch. Er war ein echter Wiener und ging gerne zum Karten spielen ins Kaffeehaus.

In der Wirtschaftskrise stellte er Martin Vogels Vater an und half so der Familie enorm. Die Brüder unterstützten sich in dieser Zeit gegenseitig. Auch als die Nazis an die Macht kamen, versuchte der Onkel nach wie vor das Familienleben aufrecht zu erhalten.

Als er jedoch weiter zu Besuch ins Haus kam, war er von den anderen Hausbewohnern nicht mehr erwünscht.

Er kam daraufhin nachts und er, der Neffe, brachte ihm Suppe in den Hausflur. „Schigo“ wechselte seinen Wohnort oft, bis er 1942 ins KZ Theresienstadt deportiert wurde und 1944 dort starb.

Martin Vogel dankte den Enkeln und Urenkeln für die Anbringung des Steins. Der Schauspieler Peter Futterknecht (Enkel) und seine Tochter(Urenkelin) lasen im Anschluss Gedichte im Hauseingang sowie Briefe von Siegfried Vogel, die er noch aus dem Konzentrationslager an seine Frau und seine Söhne schrieb. Die Veranstaltung fand so ihren stimmungsvollen und traurigen Ausklang.