Feierliche Eröffnung von zwei Stationen in Neubau
am 30. Oktober 2009

 

Die Eröffnung der Station für seine Mutter Hudia Fiderer war ein großes Ereignis für Herrn Leo Fiderer, der in hohem Alter aus den USA angereist war und für seine Kusine Regine Bloch aus Frankreich. Herr Fiderer erzählte über das harte Leben, das seine Mutter und er in der kleinen Wohnung im letzten Stock des Hauses geführt hatten. Bezirksvorsteher Thomas Blimlinger betonte, dass ihm die Aufarbeitung der jüdischen Geschichte des Bezirkes sehr am Herzen läge und dass der Bezirk auch andere Initiativen unterstütze. Eine dieser Initiativen war eine Gedenktafel, die das BRG 7 in der Kandlgasse 39 für die 97 im Jahre 1938 aus der Schule weg gewiesenen Schüler angebracht hatten. SchülerInnen aus der Klasse 4a hatten sich auch gemeinsam auf diese Veranstaltung vorbereitet. Sie lasen einen Text (Ende der Seite) vor und legten Blumen auf den Gedenkstein.

Am Ende sprach Herr Fiderer den Kaddisch, das jüdische Totengebet, für seine Mutter.

Eine große Zahl von Menschen kam auch zur Eröffnung der 2. Station in der Neubaugasse 23 mit.

Herr Tomas Monath, der in Brasilien aufgewachsen ist, kam mit seiner Gattin, seiner Tochter und ihrem Mann und seinem Enkelkind nach Wien.

Seine Großeltern flüchteten nach Belgien. Seine Großmutter wurde von einem belgischen Lager, sein Großvater von einem französischen Lager nach Auschwitz deportiert. Auch für sie wurde gemeinsam der Kaddisch gesprochen.

 

Gedanken der SchülerInnen der Klasse 4a des BRG Kandlgasse 39

Wir haben die Geschichte von Herrn Fiderer über seine Kindheit, über seine Mutter und über das Schicksal der jüdischen Bevölkerung Wiens gelesen und sind sehr berührt und betroffen. Nun wollen wir die Gedanken von Schülerinnen und Schülern aus unserer Klasse zusammenfassen:

Wir finden es schrecklich, dass man zu dieser Zeit einen so grausamen und menschenverachtenden Völkermord begangen hat. Es ist gegen die Menschenrechte, andere zu verfolgen, zu vertreiben und zu töten.
Hitlerdeutschland und Österreich haben den Juden Unrecht getan.
Sie hatten Vorurteile gegen die Juden und haben sie als „Untermenschen“ bezeichnet. Ihnen haben sie alle Schuld am Unglück in der Welt zugeschrieben. Sie haben jüdischen Menschen vertrieben und, wenn sie nicht flüchten konnten, ermordet.

Sie haben die Juden grundlos gehasst. Menschen haben ihre eigenen Nachbarn und Freunde verraten und somit in den Tod geschickt. Man hat ihnen die Geschäfte und all ihren Besitz geraubt. Ganze Familien wurden ausgerottet, auch die kleinen Kinder entgingen dem Morden nicht.
Es ist schlimm, dass die Juden sich nicht wehren konnten. Auch konnten viele Juden nicht mehr flüchten, weil andere Länder sie nicht aufgenommen haben.

Wir finden es entsetzlich, dass jüdische Kinder von ihren nicht-jüdischen Mitschülern abgepasst, verprügelt und angespuckt worden sind und besonders erschütternd, dass sich Schüler von einem Tag zum anderen gegen ihre jüdischen Freunde gewandt haben.

In unserer Schule wurden jüdische Schüler im April 1938 die Treppen hinunter gestoßen, damit sie schneller die Schule verlassen und nicht mehr zurückkehren. Es ist unglaublich, sich das vorzustellen.

Frau Hudia Fiderer war eine sehr tapfere Frau. Sie hat zuerst ihrem Sohn die Flucht ermöglicht und sich erst danach retten wollen. Es muss schrecklich sein, seine Mutter mit dem Gedanken zurückzulassen, dass man sie höchstwahrscheinlich nie wieder sieht.

Noch schrecklicher ist es in einem Land zu bleiben, aus dem die eigenen Angehörigen ausgereist sind und man weiß, dass man selbst nicht mehr entkommen kann. Wir können uns vorstellen, was es für Herrn Fiderer und seine Mutter bedeutete und bedauern zutiefst, dass so etwas geschehen konnte.

Es ist sehr wichtig, dass es hier im Bezirk Gedenktafeln für Frau Hudia Fiderer und für Frau Ella und Herrn Siegfried Lemberger gibt. Alle Menschen jüdischer Abstammung und auch alle anderen Verfolgten und Getöteten, die unter der NS Herrschaft umkamen, sollten eine ehrenvolle und angemessene Gedenktafel bekommen.

So erinnern sich die Leute hoffentlich immer an diese schreckliche Zeit und die Menschen, die dieses Unrecht erlitten haben und für die es keine Grabsteine und Gräber auf dieser Erde gibt.