Stationen der Erinnerung im Alsergrund

 

Der Alsergrund war traditionell ein Bezirk, in dem viele jüdische WienerInnen lebten. Vor der Machtergreifung durch die Nazis  lag der jüdische Bevölkerungsanteil bei 30 Prozent, in der Rossau bei 50 Prozent. 1938 wurden diese Menschen über Nacht ihrer Rechte, ihrer Würde und  ihrer Habe beraubt. Menschen aus dem Alsergrund wurden gezwungen, ihre Wohnungen zu verlassen, in Sammelwohnungen im Bezirk oder in der Leopoldstadt zu ziehen. Menschen aus anderen Bezirken wurden in den Alsergrund umgesiedelt, z.B. in das jüdische Altersheim Seegasse. Diejenigen, die nicht flüchten konnten, – im Alsergrund waren es 6910 Menschen- wurden deportiert und  ermordet.

Der Anfang unseres Projekts „Stationen der Erinnerung im Alsergrund“ liegt schon viereinhalb Jahre zurück. Damals wollte mein Onkel (Elisabeth Ben David-Hindler) Ephraim Levanon, geboren als Fritz Weisz in Wien,  am ehemaligen Wohnhaus seiner Eltern in der Porzellangasse 49a eine Tafel zum Gedenken an sie anbringen lassen. Er hätte sogar Miete dafür bezahlt.  Aber wie es in Wien so häufig vorkommt: Die Hausbesitzerin hat ihm diesen Wunsch verweigert. Er macht mich damals auf das Projekt der Stolpersteine von Gunter Demnig in Deutschland aufmerksam. Mithilfe der Bezirksvorsteherin Martina Malyar war es möglich, die Tafel noch im selben Jahr ins Pflaster zu setzen. Der Tag der Enthüllung der Station  war für meinen Onkel einer der schönsten Tage seines Lebens.

Wir sind nun mit diesem Projekt  in den 9. Bezirk zurückgekehrt. Es erreichten uns zahlreiche Wünsche von Angehörigen, auch für ihre Verwandten, die im Alsergrund gelebt haben, Steine der Erinnerung vor die Häuser zu setzen. Die „Stationen der Erinnerung im Alsergrund“ folgen diesen Wünschen. An zwei Plätzen, dem Altersheim in der Seegasse und dem jüdischen Waisenhaus in der Grünentorgasse 26, haben wir auch spezielle Gedenksteine ins Pflaster gesetzt, die an die Bedeutung des Ortes erinnern.

Wir haben in die Wegroute auch andere Gedenkstätten, die Synagoge in der Müllnergasse und den jüdischen Friedhof in der Seegasse 9, aufgenommen.

Nach Absprache mit der Projektgruppe Servitengasse 1938 sind auch ihre beiden Gedenkprojekte Teil der  Wegroute. http://david.juden.at/2008/78/17_stern.htm